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Kinder vor dem Ertrinken schützen

Leonberg Baden-Württemberg Deutschland


 

Sommerzeit = Badezeit, doch nicht nur die warme Jahreszeit lockt Groß und Klein zum Plantschen in die Schwimmbäder und an die Badeseen. Auch im Herbst/Winter gehen Familien gerne in warme Spaßbäder, um dort gemeinsam einen tollen Tag zu verleben.
Doch bei all´ dem Spaß und der Freude sollten Eltern nicht die Sicherheit der Kinder im Schwimmbad vernachlässigen oder gar vergessen.
 
Wasser zieht Kinder magisch an
 
Es ist kein Geheimnis: Wasser zieht Kinder jeden Alters magisch an! Kaum können die Kleinen krabbeln, so versuchen sie die nächstgelegene Pfütze zu erreichen, um darin rum zu patschen. So gesehen ist daran ja auch nichts Schlimmes, so lange wir Erwachsenen unsere Aufsichtspflicht ernst nehmen und nicht vergessen, dass Babys und Kleinkinder bereits in Pfützen und sehr flachem Wasser ertrinken können.
Die Gefahr liegt im Körperbau der Kleinen selbst. Ihr Kopf ist im Verhältnis zum restlichen Körper sehr groß und schwer, wodurch er auch den sogenannten Körperschwerpunkt bildet.
Fällt ein Baby beispielsweise mit dem Gesicht in eine Pfütze, so hat es aufgrund des Körperschwerpunktes Kopf nicht mehr die Möglichkeit die Beine unter den Körper zu ziehen und aufzustehen. Es kann sich selber nicht helfen und ertrinkt - lautlos.
Deshalb ist es auch unheimlich wichtig im alltäglichen Umfeld alle eventuellen Gefahren, wie Teiche, kleine Bachläufe, Regentonnen und sogar handelsübliche Putzeimer, für ein Kleinkind unerreichbar zu machen.
 
Badering und Schwimmflügel schützen nicht vor Ertrinken
 
Eltern sind in der Regel vorsichtig und um ihren Nachwuchs enorm besorgt. Daher werden schon die Kleinsten beim Schwimmbadbesuch in einen Badering gesteckt und später laufen sie mit schicken Schwimmflügeln herum. Die Möglichkeiten sein Kind mit Schwimmhilfen sind unendlich. Es gibt sogar Badekleidung mit bereits integrierter Schwimmhilfe oder auch Schwimmringe, die das Kind vor möglichen Gefahren schützen soll. Meistens kosten diese Dinge viel Geld und würden im Notfall doch keinen wirklichen Schutz bieten. Lediglich eine vernünftige Schwimmweste mit einem breiten Kragen und einem unter den Beinen verlaufenden Sicherheitsband bietet einem Nichtschwimmer effektiven Schutz vor dem Ertrinken.
Andere Schwimmhilfen geben den Kindern vielleicht ein kleines Gefühl von Selbstständigkeit, aber als Eltern entbinden sie uns nicht einmal für eine Minute von unserer Aufsichtspflicht!
 
Mit 10 Jahren noch nicht wassersicher
 
Und selbst wenn Ihr Kind eines Tages die Kunst des Schwimmens erlernt hat, so ist die Zeit der Gefahr noch lange nicht vorbei. Interessant ist hierbei eine Einschätzung des DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft), die besagt, dass jedes zweite Kind in Deutschland auch im Alter von bereits 10 Jahren noch nicht "wassersicher" ist.
Erschreckend, wenn wir bedenken, dass die meisten Eltern selber oder mit Hilfe von Schwimmkursen bereits vor Schulbeginn im Alter von fünf bis sechs Jahren dafür sorgen, dass ihre Kinder das Schwimmen erlernen. Doch genau hierbei müssen wir unterscheiden. Natürlich erlernt ein Kind durch Anleitung die Grundzüge des Schwimmens, doch aufgrund seines Alters fehlen ihm einfach häufig die körperlichen Voraussetzungen, um als „wassersicher“ zu gelten.
 
Kinder, die schwimmen können müssen auch lernen sich unter Wasser genauso gut zurecht zu finden wie über Wasser. Sie müssen das Schwimmen in Rückenlage gleichermaßen beherrschen wie das Brustschwimmen. Um es als "wassersicher" einzustufen, muss es die körperliche Konstitution aufweisen und sich ohne Probleme 15 Minuten alleine im tiefen Wasser bewegen können. Zudem sollte es mehrere Arten von Sprüngen beherrschen, und wenn es einmal Wasser schluckt, sollte es nicht anhalten müssen.
Wie man also daran sehen kann, ist der Weg vom Schwimmer zum sicheren Schwimmer ein noch meist relativ weiter. Daher sind wir Eltern in jedem Alter gefragt, unsere Kinder altersentsprechend bei einem Schwimmbadbesuch zu unterweisen und Regeln aufzustellen.
 
Gefahr: Selbstüberschätzung
 
Warum auch Kinder ertrinken, die im Grunde schwimmen können, hat vielfältige Gründe.
Sicherlich ist eine große Gefahr die eigene Selbstüberschätzung. Kinder halten sich manchmal zu lange im tiefen Wasser auf und plötzlich verlassen sie ihre Kräfte.
Oder eine Gruppe von Kindern tobt am und im Wasser. Hier ist die Gefahr des Ertrinkens groß, wenn ein Kind überraschend ins Wasser geschubst wird und die Orientierung verliert. Oder ein Kind stößt sich mit dem Kopf am Beckenrand und verliert das Bewusstsein. Manchmal erleidet man beim Schwimmen auch einen Krampf in der Bein-Muskulatur und weiß sich als Kind dann nicht zu helfen.
Vermutlich könnte man die Möglichkeiten der Gefahren hier noch deutlich weiter ausführen, denn es können im Grunde tausend Begebenheiten sein, die zum Ertrinken führen können. Wichtig hierbei ist aber zumindest noch die Gefahr natürlicher Gewässer anzumerken. Im Meer beispielweise darf man bereits im flachen Uferbereich den möglichen Brandungssog nicht unterschätzen. Dieser kann einem Kind, aber auch einem Erwachsenen, ohne Probleme die Füße wegreißen.
 
Kinder gehen oft lautlos unter
 
Um unsere und andere Kinder zu schützen, müssen wir uns von der alten Vorstellung freimachen, dass ein Ertrinkender mit den Armen wild herumfuchtelt und um Hilfe schreit. Das kann er gar nicht! Normalerweise ist der Körper eines Ertrinkenden viel zu sehr damit beschäftigt, Luft zu schnappen und eingeatmetes Wasser auszuhusten.
Wir müssen uns klar machen, dass ein Mensch, der im Begriff ist zu ertrinken, sich in einer völligen Paniksituation befindet. Da ist man zu keiner durchdachten Handlung mehr in der Lage. Wer ertrinkt, lässt meist die Beine einfach nach untern hängen und drückt die Arme seitlich aus, um sich über Wasser zu halten.
Ist jemand im Begriff zu ertrinken, so bleibt nicht viel Zeit. Gehen die Kräfte verloren, so kann sich ein Ertrinkender ca. 20 bis 60 Sekunden über Wasser halten, bevor er untergeht. Bei Kindern ist es sogar so, dass sie sofort untergehen und auch nicht mehr nach oben kommen. Es geht ganz still unter, und wenn das niemandem auffällt, so ist sein Schicksal besiegelt. 
 
"Trockenes Ertrinken"
 
Bei Kindern verläuft das sogenannte Ertrinken auch anders, als bei einem Erwachsenen.
Sie unter einem Stimmritzenkrampf, der sie daran hindert, Luft zu holen. Das Kind geht also unter, aber es gelangt kein Wasser in die Lunge. Man könnte eher sagen, es erstickt oder in Fachkreisen spricht man vom "trockenen Ertrinken".
Auch Erwachsenen kann das "trockene Ertrinken" wiederfahren, wenn sie zu viel gegessen, Alkohol getrunken oder vor einem Tauchvorgang hyperventiliert haben.
 
Kinder immer in Sichtweite haben
 
Ertrinken ist für Kinder jeden Alters eine immer anwesende Gefahr, wenn man sich am und im Wasser auffällt. Diese Gefahr schwimmt sozusagen mit.
Daher ist es wichtig, die Kinder immer in Sichtweite und Kleinkinder in Reichweite zu haben. Denn sollte etwas passieren, so zählt wirklich jede Sekunde!
Sich entspannt in ein interessantes Buch vertiefen oder ein bisschen Small-Talk mit der netten Liegennachbarin halten, ist tabu. Man darf sich als Eltern durch nichts von seiner Aufsichtspflicht ablenken lassen. Auch wenn die Kinder gerade nicht im Wasser sind, sollte man immer ein Auge auf sie haben, denn viele Badeunfälle passieren durch unbeabsichtigtes Hineinfallen ins kühle Nass.
 
Aufmerksam sein
 
Da Kinder ja lautlos ertrinken und man sich nicht immer der Situation sicher sein kann, so ist es besser einmal mehr vorsichtig gewesen zu sein, als am Ende zu nachsichtig. Fällt einem also ein Kind im Wasser auf, das sich merkwürdig im Wasser bewegt, so sollte man es am besten kurz ansprechen und fragen, ob alles ok ist.
Wenn jemand im Begriff ist zu ertrinken, sieht es so aus, als würde er Wasser treten und er liegt dabei recht tief im Wasser. Zudem sind ein glasiger Blick und eine beschleunigte Atmung eindeutige Indizien, die man ernst nehmen sollte.
Grundsätzlich gilt bei Kindern auch die Regel: Wenn es leise wird, stimmt was nicht!
Normalerweise toben Kinder und sind dabei laut. Nimmt die Geräuschkulisse auffallend ab, so sollte man direkt klären, ob etwas passiert ist und Handlungsbedarf besteht.
 
Stellen Sie Baderegeln auf
 
Für einen entspannten Ausflug ins Schwimmbad sollten auch vorab innerhalb der Familie gewisse Baderegeln besprochen werden. Nichtschwimmer gehören ins Nichtschwimmerbecken und niemals darf ein Kind ins Wasser gehen, ohne seine Eltern zu informieren.
Im Beckenbereich sollte nicht gerannt werden, weil dadurch die Gefahr des unbeabsichtigten Hineinfallens deutlich erhöht wird. Man darf sich nicht im Bereich von Rutschen aufhalten oder dort, wo Schwimmer in das Becken springen.
Ins Wasser springen darf man nur dort, wo es tief genug ist und auch nur, wenn man wirklich schwimmen kann. Wenn man nicht schwimmen kann, so darf man nur bis zum Bauch ins Wasser gehen. Grundsätzlich gilt auch, dass man andere nicht untertauchen darf und dass man niemanden zu Dingen nötigt, die er nicht machen möchte.
Bei Wasserrutschen müssen immer die dortigen Nutzungsregeln eingehalten werden, damit niemand gefährdet wird. Zudem sollte man nicht zu lange im Wasser bleiben, immer mal Pausen einlegen und wenn man anfängt zu frieren, sofort das Wasser verlassen.
Wichtig ist hierbei nochmal darauf hinzuweisen, dass man als Erwachsener nicht nur ein Auge auf die eigenen Kinder haben sollte. Sollte uns ein fremdes Kind im Wasser auffallen, was sich augenscheinlich merkwürdig verhält, so reagieren Sie! Dies würden wir uns von anderen für unsere Kinder im Notfall schließlich auch wünschen.
 
Erste Hilfe bei ertinkenden Kindern
 
Kommt man in die Situation ein ertrinkendes Kind aus dem Wasser zu holen, so muss man es sofort in eine Decke wickeln, um eine Unterkühlung zu vermeiden.
Ist das Kind bei Bewusstsein und hat "nur etwas Wasser geschluckt", so muss dennoch unverzüglich ein Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden, denn auch noch 48 Stunden nach dem Vorfall kann Wasser in der Lunge zu schweren Lungenödemen führen.
Wenn das Kind bewusstlos ist, sofort die stabile Seitenlage einnehmen, die Atemwege kontrollieren und schauen, dass sich nichts Erbrochenes darin befindet.
Am besten ist es, wenn zeitgleich eine weitere Person den Schwimmmeister holt und der Notarzt informiert wird. 
Atmet das Kind nicht mehr, so ist eine Mund-zu-Mund bzw. bei Babys/Kleinkindern eine Mund-zu-Nase-Beatmung in Kombination mit einer Herzdruckmassage einzuleiten.
Dies sollte man so lange weitermachen, bis der Notarzt übernimmt. Auch wenn die Situation aussichtslos erscheint, so sind diese Erste-Hilfe-Maßnahmen immer lohnenswert! Niemals das Kind umdrehen oder schütteln, um eventuell Wasser aus den Lungen zu befördern, denn dies führt zu nichts und es geht unglaublich wertvolle Beatmungszeit verloren.
 
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